Weißraum in der Gestaltung

So weiß wie schwarze Schafe könnten auch weiße Räume sein… bitte was?! In der Typografie spielt der Weißraum eine entscheidende Rolle, der über die unbedruckte Fläche einer Seite bestimmt. Dieser Leerraum sorgt für gute Lesbarkeit und sichtbare Ordnung, wodurch die Gestaltung erst ihre ästhetische

Wirkung zeigt. Hierzu gibt es jedoch mehrere Arten…

Sie müssen sich das so vorstellen: Alles Weiße auf einer Seite ist, wie der Name schon sagt, der Weißraum. Dieser ist auf dem ersten Blick nicht unbedingt wichtig oder erforderlich, jedoch beim näheren Betrachten sehr wichtig. Was wäre denn, wenn Bilder und Texte knallhart auf die Seite geklatscht werden und es keinen Rand oder ähnliches gibt. Das wäre das total Chaos!
Damals war der Begriff „Weißraum“ noch gar nicht existent und wurde lediglich als „Blindmaterial“ bezeichnet. Zu den Zeiten, als es noch keine Computer gab und alles von Hand gesetzt werden musste (Bleisatz), gab es kleine Metallklötzchen, die keine Buchstaben besaßen und nur leer waren. Diese verwendete man beispielsweise als Leerzeichen zwischen den Wörtern. Da dieses Werkzeug der Buchstaben-Gliederung, so möchte ich es nennen, die Lesbarkeit erhöhte und so gesehen natürlich auch wichtig war / ist, wurde es direkt für alles andere übernommen.

Der Weißraum bestimmt nicht nur die Ordnung, sondern auch das innerliche Wohlbefinden des Menschen. Das mag jetzt etwas banal klingen, stimmt aber voll und ganz. Nehmen wir mal an, Sie haben eine überladene Seite vor ihnen… wie fühlen Sie sich dann? „Boah, zu viel Text“ oder „wo soll ich anfangen, ich komme gar nicht zurecht“, sind hier Gang und Gebe. Anders aber bei viel Freiräumen, wo Bild und Text gut platziert eine Ordnung und Ästhetik mit sich bringen.

Es existieren viele vier verschiedene Arten von Abständen und Weißräumen, die innerhalb einer Zeile liegen und auch schriftgrößenproportional sind. Das bedeutet, dass sich beim Verändern der Schriftgröße direkt auch der freie, weiße Raum mit verändert. Werfen wir einen kleinen Blick auf diese Faktoren…

Vier Faktoren – Weißraum

1. Die Wortzwischenräume
Diese Art von Zwischenraum kennt jeder, da sie mit Abstand am häufigsten verwendet werden. So können Ausgleiche in Blocksätzen festgestellt werden, da hier oft vergrößert bzw. verkleinert wird, um an der Kolumne eine glatte Satzkante zu bekommen, siehe Randausgleich. Wichtig ist es, Wortzwischenräume auf Schrift- und Zeilenabstände, sowie Schriftgröße abzustimmen.

2. Flexible Leerzeichen
Manchmal ist der Zwischenraum einzelner Wörter etwas zu groß, beispielsweise innerhalb von Abkürzungen, Daten, usw. wodurch nur ein geringer Abstand nötig ist. Für QuarkXPress ist es in dem Fall ein flexibles Leerzeichen. Aber für die meisten Layouter, die InDesign nutzen, ist es ein Achtelgeviert, welches exakt 3-mal in ein Viertelgeviert passt. Aber woher kommt der Name „Flexibles Leerzeichen“? Dieser Name passt wie die Faust aufs Auge, da der Abstand selbst bestimmt wird und daher auch „flexibel“ selbst Probleme lösen kann. Eine Anpassung an der Schrift und Schriftgröße ist daher nicht erforderlich. Nicht vergessen: Nur bei geringem Abstand wird es selbst geregelt!

3. Das Geviert
Damals war das noch ein kleines, nichtdruckendes, quadratisches Bleisatzklötzchen, welches Abstände regelte. Für Einzüge oder Tabellenbau war das wie geschaffen: Bei 12 pt Schriften wurden auch 12 pt Abstände für die eben genannten Bereiche eingesetzt. Feste Leerzeichen wurden durch das Geviert und seine Unterteilungen möglich. Ein größerer fester Weißraum war durch ein ganzes Geviert auch machbar, was der Blocksatz so gesehen nicht verändert hat, zum Beispiel zwischen Text und Spitzmarken. Richtig trickreich ist aber das Halbgeviert, welches mit wenigen Einstellungen so definiert werden kann, dass es die Breite einer Tabellenziffer annimmt. Für einen Tabellensatz ein Segen.

4. Die Spationierung
Das ist der Bereich, der vom Gestalter selbst in die Hand genommen wird. Da wo es Einstellungen bei Wortzwischenräume vermasseln, legen wir per Hand die Weißräume fest. Jeder Abstand der einzelnen Zeilen werden vergrößert oder verkleinert, sodass ein optimales Schriftbild ergibt. Bei besonderen Zeichenkombinationen, Ligaturen, wird das Spationieren oft gesehen.

Das waren die vier Arten, mit denen wir Gestalter zu tun haben. Ich möchte an dieser Stelle nochmals anmerken, dass es wirklich nur vorteilhaft ist, dass die Größen proportional mitverändert werden. Würden die Abstände bei einer Skalierung in eine kleinere Schriftgröße etwa so groß bleiben? Das würde den gesamten Platz fressen.